Die Digitalisierung hat das Potenzial, das Management gewerblicher Immobilien grundlegend zu verändern. Die 2022 veröffentlichte KPMG-Studie zum Stand der digitalen Transformation in dieser Branche zeigte damals, dass viele Unternehmen noch am Anfang dieses Prozesses standen.
Status quo 2022: Teilweise Digitalisierung und hoher Nachholbedarf
Lediglich 30 Prozent der befragten Organisationen betrachteten ihr Immobilienmanagement als weitgehend oder vollständig digitalisiert. Im Vergleich dazu war die Digitalisierung des Gesamtunternehmens weiter fortgeschritten, was den Nachholbedarf in diesem spezifischen Bereich verdeutlichte. Ein wesentlicher Hemmschuh war das Fehlen klarer Digitalisierungsstrategien: Nur die Hälfte der Unternehmen verfügte über eine solche, und konkrete Umsetzungspläne wie Digital Roadmaps waren ebenfalls selten. Diese Diskrepanz zwischen Zielsetzung und Umsetzung wurde von den Autoren der Studie als großer Entwicklungsbedarf hervorgehoben.
Die Studie unterstrich, dass Digitalisierungsmaßnahmen vor allem auf organisatorische Optimierungen wie Prozess- und Datenmanagement fokussiert waren, während innovative technologische Lösungen wie Building Information Modeling (BIM) oder Internet of Things (IoT) noch selten eingesetzt wurden. Gleichzeitig identifizierten die Befragten hohe Investitionskosten und unzureichende Systemintegrationen als größte Hürden auf dem Weg zur digitalen Transformation. Zudem zeigte sich ein klarer Zusammenhang zwischen dem Digitalisierungsgrad des Immobilienmanagements und der Verfügbarkeit entsprechender Budgets. Besonders wichtig wurde dem Datenmanagement zugeschrieben, wobei Technologien wie Big Data und Data Lakes als zentrale Elemente einer zukunftsorientierten Digitalisierung betrachtet wurden.
Entwicklungen seit 2022
Seit der Veröffentlichung der Studie sind bemerkenswerte Fortschritte erzielt worden. Vor allem die Integration von Technologien wie BIM und IoT hat an Fahrt aufgenommen. BIM ermöglicht es, digitale Zwillinge von Gebäuden zu erstellen, die eine optimierte Wartung und präzisere Steuerung von Betriebskosten erlauben. IoT wird zunehmend genutzt, um die Vernetzung von Gebäuden zu fördern, insbesondere im Bereich des Smart Building Managements. Diese Technologien bieten nicht nur wirtschaftliche Vorteile, sondern unterstützen auch Nachhaltigkeitsziele. ESG-konforme Prozesse, die Umwelt-, Sozial- und Governance-Aspekte berücksichtigen, haben in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Smart Building-Technologien helfen dabei, den Energieverbrauch zu senken und den Komfort der Nutzer zu steigern, was sie für Unternehmen besonders attraktiv macht.
Die Pandemie hat zudem die Anforderungen an flexible Arbeitsmodelle und Flächennutzung verändert. Das Workplace-Management hat einen höheren Stellenwert erhalten, da Unternehmen versuchen, die Auslastung ihrer Büroflächen zu optimieren und gleichzeitig die Bedürfnisse von Mitarbeitern im Homeoffice zu berücksichtigen. Dieser Trend hat den Einsatz digitaler Lösungen weiter beschleunigt und die Nachfrage nach effizienteren Datenerhebungssystemen und Analysen verstärkt.
Herausforderungen und anhaltender Nachholbedarf
Trotz dieser positiven Entwicklungen bleiben zentrale Herausforderungen bestehen. Nach wie vor kämpfen viele Unternehmen mit budgetären Einschränkungen, die eine umfassende Digitalisierung verhindern. Hinzu kommt die Komplexität der Integration neuer Technologien in bestehende Systeme, die hohe Investitionen in IT-Infrastruktur und Datenmanagement erfordert. Auch der Fachkräftemangel stellt ein Hindernis dar: Die Rekrutierung von „Digital Natives“ und die Weiterbildung bestehender Teams verlaufen oft schleppend. Gleichzeitig steigen mit der Digitalisierung die Risiken durch Cyberangriffe, die viele Unternehmen weiterhin unterschätzen.
Insgesamt hat die Digitalisierung im Management gewerblicher Immobilien seit 2022 bedeutende Fortschritte gemacht, doch der Weg zu einer umfassenden Transformation ist noch lang. Die Branche steht an einem Wendepunkt, an dem strategische Investitionen und eine klare Vision entscheidend sind. Unternehmen, die diesen Herausforderungen mutig begegnen und gezielt auf moderne Technologien setzen, können nicht nur ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern, sondern auch einen nachhaltigen Beitrag zur Gestaltung einer zukunftsfähigen Immobilienwirtschaft leisten. Die digitale Transformation bleibt ein Schlüsselthema, das sowohl technologische als auch kulturelle und strategische Anpassungen erfordert.
Mar 3, 2025 12:27:37 PM